Frau Schletterer singt nicht mehr

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MIL, DIL und SIL
03.03.2025 11:48

Wenn man wie ich sehr häufig in Facebook unterwegs ist, stolpert man zwangsläufig über sehr viele Beiträge, in denen jemand erzählt, „what my MIL did“ oder „what my SIL did“ oder wahlweise auch „what the DIL did“.
Nach gar nicht mal so langer Zeit findet man heraus, was diese Kürzel bedeuten, nämlich „Mother in law“, Sister in law“ und „Daughter in law“. Also Schwiegermutter, Schwägerin und Schwiegertochter. Es gibt nach dieser Systematik natürlich auch noch FIL und BIL. Die tauchen da aber nicht so oft auf, vermutlich weil die Herren der Schöpfung nicht so sehr zur Bösartigkeit neigen, denn…
…in jedem dieser Texte geht es darum, welche schrecklichen, herzlosen und respektlosen Dinge die Damen jeweils ihren verschwägerten Verwandten angetan haben.
Und man fragt sich schon, welcher Haß da im Raum stehen muß, daß man einander solche Dinge tatsächlich antut oder aber, was ich eher vermute, in Lügengeschichten unterstellt.
Gern strapaziert werden in solchen Storys auch SM und SD, also Step Mother und Step Dad. Auch die scheinen automatisch mit der Ehelichung einer Person, die (erwachsene) Kinder hat, eine gewisse Boshaftigkeit zu entwickeln.
Da wird dann von Schwiegermüttern berichtet, die der Schwiegertochter (und damit ja auch dem eigenen Sohn) die Hochzeit ruinieren, indem sie in weißem Kleid da erscheinen oder die Eltern der Braut an den Katzentisch setzen, obwohl die Braut höchstselbst eine völlig andere Tischordnung vorgegeben hat. Gern buchen diese Schwiegermütter auch Hochzeitsreisen, die sie selbst mit dem Sohn/Bräutigam unternehmen, ohne natürlich die Braut mitzunehmen.
Stiefmütter werfen in solchen Geschichtchen gern die Stieftochter aus dem Haus, obwohl selbiges natürlich nicht dem Hausherrn, sondern eben jener aus dem Haus gewiesenen Stieftochter gehört (geerbt von der verstorbenen Mutter, die das Stiefmutterelend natürlich hatte kommen sehen und entsprechende Vorkehrungen getroffen hatte).
Und Schwiegertöchter sind selbstredend berühmt dafür, den Schwiegereltern boshafterweise die Enkel vorzuenthalten, nur weil die nicht so viel Geld für Weihnachtsgeschenke ausgegeben haben, wie die jungen Damen sich das vorgestellt hatten.
Und beim Lesen fragt man sich ein ums andere Mal, was mit den Amerikanern nicht stimmt, daß sie entweder solche Geschichten erfinden (wovon ich – wie gesagt – stark ausgehe) oder aber tatsächlich so miteinander umgehen (was wohl sehr viel seltener der Fall sein dürfte, als solche Episoden erzählt werden. Denn allzusehr gleichen die einander). Vermutlich werden die nur geschrieben, um Leute zum Lesen dieser Ergüsse zu animieren, denn diese Textchen sind übersät mit Werbeanzeigen, die so massenhaft da eingeblendet werden, daß man den eigentlichen Text dazwischen schnell aus den Augen verliert.
Alternativ zu solchen erfundenen Gemeinheiten kann man als Leser - sozusagen als Ausgleich - auch aus Berichten auswählen, in denen scheinbar bitterarme Schlucker, denen ein fast ebenso Mittelloser in herzlichem Erbarmen im Burger King ein Essen spendiert hat, am nächsten Tag beim edlen Spender vor der Tür stehen und sich mit einem Koffer voll Geld für das liebevolle Herz bedanken, das bereit war, ihren Hunger zu stillen.
Leute, die Welt hat wirklich ein echtes Problem, wenn bei so vielen das Bedürfnis besteht, andere mit solchem Blödsinn auf sich aufmerksam zu machen. Hat das wahre Leben denn nicht genug zu erzählen?

 

Abnehmspritzen

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